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Für grün angemalte Betonflächen gibt es zehn Punkte

"Obernkirchen blüht auf": Mit der Jury unterwegs / Sehr viele Fenster sind nicht geschmückt / Gewinner fahren nach Bad Essen

 

Obernkirchen (rnk). Wer mit dem fachgeschulten Auge eines Gärtners durch die Stadt geht, wird sich schnell an eine Geschichte erinnern, die auf Motivationsseminaren gern erzählt wird: Zwei Manager einer Schuhe produzierenden Firma werden nach Afrika geschickt, um die Marktchancen auszuloten. Einer kommt resignierend zurück, weil man dort einfach keine Schuhe trage, der andere kehrt euphorisiert heim und empfiehlt, dort sofort Fabriken zu bauen: „Dort trägt noch niemand Schuhe.“

 

Soll natürlich heißen: Es kommt auf die Sichtweise an. Auf die Bergstadt übertragen, wäre möglicherweise die Produktion von Geranien in Plastikbalkonkästen eine lohnende Investition: Zwar sind sie nicht zu übersehen, aber noch deutlicher tritt zutage, dass die überwiegende Anzahl der Fenster eben nicht geschmückt ist.

 

So schön kann ein Garten sein: 100 Punkte vergab die Jury hier gern.

 

Aber die Arbeit der Jury des diesjährigen Blumenschmuckwettbewerbes ist es, die schmucken Vorgärten und Gärten zu bewerten, die Lücken werden ja nicht gemeldet.

 

Bödecker, Maria Scholz, Beate Venckus und Gerhard Kircher sitzen vier ausgewiesene Fachleute in der Jury, auch Franz Kusnierski weiß sicherlich eine ganze Menge über Gärten und deren gestalterische Anlage.

 

Die Bewertungsskala reicht von null bis 100 Punkte, wobei zehn Punkte in etwa einer grün angemalten Betonfläche entsprechen. Oft entscheidet neben dem fachmännischen Auge auch das Bauchgefühl: Passen die Kontraste? (Lila Fetthenne neben roten Geranien geht eher nicht). Stimmen die Proportionen? (Ausgefallene Nadelhölzer, die nicht jeder in seinem Vorgarten stehen hat, sind sehr schön, aber wenn es keinen passenden Unterbau gibt, reicht Seltenheit allein nicht.) Gibt es Ruheflächen für das menschliche Auge im Garten? (Das kann auch mal der Rasen oder ein Rhododendronbusch sein.) Darf man Blumenkästen aus Plastik verwenden? (Ja, wenn man die Schale wie bei den Geranien nicht sieht.)

 

Die Jury startet am Marktplatz, wo sofort ins Auge fällt, dass die Stadt durchaus mit gutem Beispiel vorangeht: Die Blumenampeln im Stadtbereich sind bestens in Schuss, „Megaklasse“, urteilt Beate Venckus; der Bauhof hat anscheinend regelmäßig gewässert. Der Trend zieht sich durch die gesamte Stadt, wie sich schnell zeigt: Wer Geranien vor seinen Fenstern stehen hat, kümmert sich auch um sie, der Pflegezustand ist ohne Ausnahme topp. Das ergibt zwischen 70 und 75 Wertungspunkte.

 

Geranien können auch einen guten Eindruck machen, wenn sie recht wild durcheinander gepflanzt werden.

 

Möglicherweise, so vermutet Klaus Möller vom Verein für Wirtschaftsförderung, werde am Vorgarten stärker gespart als an den von der Straße nicht einsehbaren Plätzen, aber „für eine so große Stadt ist es wenig.“ Wichtig, so erläutert Beate Venckus bei der Jury-Rundfahrt, seien schöne Gärten an den Zugangsstraßen. Vielseitigkeit, klare Strukturen, ein strenger Schnitt: Das ergibt am Eingang zum Kollbergring 95 Punkte: „Man muss sich ja noch verbessern können“, erklärt die Fachfrau. Ansonsten ist der Kollbergring gärtnerisches Ödland, was an der Struktur der Grundstücke liegt: Vor den Häusern liegt meistens ein handtuchgroßes Stück Rasen, gestalterisch ist wenig Spielraum. Und Hangsteine bereichern Gärten nur bedingt, meint die Fachjury.

 

Gemeldet sind auch Gärten, die ihre volle Pracht noch lange nicht entwickelt haben. Auch sie werden bewertet, vielfach ist zu ahnen, welche Pracht hier im nächsten oder übernächsten Jahr blühen wird.

 

Einig sind sich Iris Bödecker, Maria Scholz, Beate Venckus und Gerhard Kirchner, dass knallige Farben in diesem Sommer dominieren: Petunien, Tagetis, Salvien, gelbe Scharfgarbe und auch Geranien ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und begrüßen die Vorübergehenden, vermutet das Quartett bei der Ursachenforschung und ist sich einig: „Und das ist auch gut so.“

 

Wie geht es jetzt weiter im Blumenschmuckwettbewerb? Die Besitzer der zehn schönsten Gärten werden informiert und fahren einen Tag auf die Landesgartenschau nach Bad Essen – mit allem Drum und Dran.

 

 © Schaumburger-Zeitung, 07.08.2010