Es waren durchaus dicke Bretter, die Stadtkoordinatorin Worm bei den Eigentümern der leerstehenden Immobilien bohren musste, bis endlich die Bereitschaft geweckt war, etwas zu tun: „Heute sind sich alle einig, dass alles besser ist als der Leerstand“, erklärt sie: Leerstand bringt nicht einen einzigen Euro in die Kassen. In den anderen Kommunen sei er natürlich auch schon zu beobachten, aber dort falle er eben nicht so sehr auf wie in der Bergstadt, wo sich alles auf wenigen hundert Meter in der Fußgängerzone und der Langen Straße konzentriert.
Und wenn niemand kommt, wenn sich nichts ergibt? Wenn am morgigen Freitag ab 10 Uhr keine neuen Mietverträge abgeschlossen werden? „Dann haben wir immerhin ein Ergebnis“ erklärt Dörte Worm, „dann haben wir einen Istzustand, den wir zur Kenntnis zu Themen haben. Dann wissen wir, dass wir uns anders orientieren müssen.“ Von einer letzten Chance will sie nicht sprechen, lieber davon, „dass wir dann gucken, wo der Bedarf ist.“
Immerhin, ein Erfolg sei doch, dass es jetzt gelungen sei, eine „Kontaktplattform“ für den Verein für Wirtschaftsförderung, Haus & Grund sowie den Eigentümern der Immobilien zu schaffen. Vermietung sei schließlich nicht die alleinige Lösung, verweist sie auf das Haus in der Langen Straße 10. Wie lange habe die städtische Immobilie leer gestanden, ehe Kai Krüger das Haus gekauft habe, um dort eine Praxis für Krankengymnastik zu eröffnen? Eben: viele lange Jahre. Egal, ob es ein Erfolg werde, meint Dörte Worm, „wir haben erst einmal etwas geschaffen, auf dem wir aufbauen können.“ Gelungen sei es, mit der Idee des offenen Leerstandes, das Bild der Stadt mit etwas in Verbindung zu setzen, das sonst nicht sofort mit Obernkirchen gleichgesetzt werde: echte Innovation.
Dörte Worm kann nicht nur organisieren, sie kann auch helfen: Seit diesem Jahr hat sie im Oetker-Haus ein Büro eröffnet, als Selbstständige bietet die gelernte Bankerin Hilfe bei Finanzierungen an – inklusive der Einladung von öffentlichen Fördermitteln für Existenzgründer und Privatpersonen. Dazu erstellt sie Businesspläne und Konzepte. Dörte Worm rechnet morgen Mittag mit 50 Interessenten, die sich ab 12 Uhr die leer stehenden Immobilien anschauen werden. Dazu gibt es eine schriftliche Übersicht, auf der die wichtigsten Daten über die Geschäfte, die Stadt selbst und Umsatz nachzulesen sind.
In Zahlen sieht das richtig gut aus: Die vorhandene Verkaufsfläche in der Innenstadt beläuft sich auf 3560 Quadratmeter, das sind rund 25 Prozent der gesamten Verkaufsfläche der Stadt. Der Umsatz beträgt hier rund 15 Millionen Euro im Jahr.
Kaum auszudenken, wie diese Zahl noch steigen würde, wenn es mehr Geschäfte gäbe.
Noch ein bisschen skeptisch, aber grundsätzlich frohen Mutes: Dörte Worm befestigt an allen teilnehmenden Leerständen Luftballons in den Stadtfarben..
© Schaumburger-Zeitung, 10.06.2010